Gewaltfreie Kommunikation

Echt sein und in Verbindung bleiben

Gewaltfreie Kommunikation ist ein Kommunikationsmodell, das von Dr. Marshall Rosenberg seit Beginn der 70er Jahre entwickelt wurde. Mittlerweile ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK) weltweit eine der meistgenutzten Methoden zur Konfliktbearbeitung. Dieser Ansatz ermöglicht es mir, eine neue Qualität des Kontaktes gerade auch in Schwierigkeiten aufzubauen bzw. aufrecht zu erhalten.

Die GFK ersetzt die Fragen „Wer ist schuld?“ bzw. „Wer hat angefangen?“ durch die Frage „Was brauchen die Beteiligten?“. Die Suche nach dem Schuldigen wird also ersetzt durch die Suche nach dem, was wirklich hinter den Handlungen und W√ľnschen der Beteiligten steht – elementare menschliche Bed√ľrfnisse. Dies macht den Weg frei f√ľr Konfliktl√∂sungen, die echte win-win-Situationen schaffen, L√∂sungen, die ohne Verlierer auskommen und dadurch zum Aufbau langfristig tragf√§higer und erf√ľllender Beziehungen beitragen. Damit stellt GFK den wirkungsvollsten Ansatz zur echten Konfliktbew√§ltigung dar, den ich kenne.

Gewaltfreie Kommunikation hei√üt nicht „Piep piep piep – wir haben uns alle lieb.“ Es geht nicht darum nett sein, sondern um Echtheit und die F√§higkeit die eigenen Bed√ľrfnisse, Werte und W√ľnsche konsequent zu vertreten ohne sie auf Kosten anderer durchzusetzen. Dazu braucht es, die F√§higkeit, dem Gegen√ľber so zuzuh√∂ren, dass ich mich mit seinen Bed√ľrfnissen verbinden kann.

Wer nicht nur wei√ü, was er will, sondern auch, was er braucht, kann gezielt, bewusst und flexibel f√ľr seine Bed√ľrfnisse eintreten. Und wer versteht, was der Andere braucht, macht die T√ľr auf f√ľr gemeinsame nachhaltige L√∂sungen.

Liebevoller Umgang mit uns selbst

Nicht nur die Kommunikation in schwierigen Situationen mit anderen Menschen ist teilweise gepr√§gt von Beurteilungen, Vorw√ľrfen, Schuldzuweisungen etc. Auch im Umgang mit uns selbst sind wir nicht gerade zimperlich, viele gehen mit sich selbst viel h√§rter ins Gericht als mit Anderen. Nur wenige von uns haben gelernt, wirklich liebevoll und ehrlich mit sich selbst zu kommunizieren. Dabei ist dies die Basis f√ľr echtes Lernen, die F√§higkeit zur Empathie und die Gestaltung eines gl√ľcklichen Lebens. Deshalb liegt ein wichtiges Augenmerk der Gewaltfreien Kommunikation auf der Umwandlung des Umgangs mit uns selbst. Denn nur wer gut f√ľr sich selbst sorgt, kann auch gut f√ľr Andere sorgen.

Was ist neu an Gewaltfreier Kommunikation?

Mit der Gewaltfreien Kommunikation ist es wie mit der Glasherstellung. Alle Bestandteile des Glases kennen wir schon irgendwoher – Sand, Soda, … Aber durch die richtige Mischung der Bestandteile und das Feuer dabei, entsteht etwas v√∂llig neues und Eigenes. Sicherlich ist aktives Zuh√∂ren sinnvoll, sicherlich sind Ich-Botschaften sinnvoll. In der Gewaltfreien Kommunikation werden all diese Elemente zu einem Ganzen zusammengefasst, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Wenn uns etwas nicht gefällt, klären wir zunächst mit uns selbst

  1. Was wir beobachten – ohne Bewertung.
  2. Wie es uns geht (Gef√ľhl).
  3. Was wir brauchen (Bed√ľrfnis).
  4. Was der andere tun/sagen kann, unser Bed√ľrfnis zu erf√ľllen (Bitte).

Auf diese Weise werden Vorw√ľrfe, Schuldzuweisungen etc. in Bed√ľrfnisse √ľbersetzt und wir k√∂nnen ausdr√ľcken, was wir wirklich brauchen ohne dass die Kommunikation von Vorw√ľrfen und Schuldzuweisungen erschwert wird. Wenn wir dann noch beim Zuh√∂ren unsere Aufmerksamkeit auf die Gef√ľhle und Bed√ľrfnisse unseres Gegen√ľber richten, steht dem „Giraffentanz“, d.h. dem Aufbau einer tragf√§higen Verbindung, in der die Menschlichkeit Beider Platz findet, nichts mehr im Wege.

Text von Gerhard Rothhaupt, http://www.visionenundwege.de/konflikttransformation/gfk.htm